Über die Wirkungen von Ingwer und Naturmedikamenten mit Prof. Bartůňková

1. 3. 2019 | Blog
Über die Wirkungen von Ingwer und Naturmedikamenten mit Prof. Bartůňková

Die Natur ist ein großes Chemielabor

Den Experten muss man Prof. MUDr. JIŘINA BARTŮŇKOVÁ, DrSc., nicht vorstellen. Der Name der Vorsitzenden vom Institut für Immunologie der 2. Medizinischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag und des Universitätsklinikums Motol ist nämlich eng verbunden mit einem hoffnungsvollen Projekt der neuen Heilung von Krebs mit Hilfe der Impfstoffe an der Basis der dendritischen Zellen, die eine wichtige Rolle in unserer Immunität und in der Erkennung und Liquidation der schädlichen Krankheitserreger spielen. Von einem ehrgeizigen Projekt, das sie im Jahre 1996 einleitete und führte, sprang die Expertin für die menschliche Immunität zum Ingwer, dessen Potenzial sie sich für die Entwicklung der neuen Ernährungsergänzung zu nutzen entschied. „Es ist eine Art Spielzeug für mich, das aus meiner tagtäglichen Arbeit entstand, wenn mich die Patienten gefragt haben, was sie für die Immunität einnehmen sollten,“ erklärt die Ärztin. Wie ist ihre Meinung zur Naturmedizin? Warum sprach sie gerade der Ingwer an? Und welchen Ernährungsergänzungen traut sie (nicht) und warum?

Glauben Sie an die Naturmedizin und ihre Produkte?

Ich denke, wir sollten keine Grenze zwischen die chemische Medizin und die Naturmedikamente stellen, weil 90% der Medikamente auf der Basis der natürlichen Verbindungen sind. Nur kauen wir heute keine Weidenäste mehr, sondern wir schlucken einfach ein Aspirin. Anstelle dessen, dass wir zehn Eiben für eine Dosis Docetaxel fällen (sie gehört zu den Zytostatika, also Stoffen, die für die Heilung der Tumorkrankheiten, beispielweise des Brustkrebs, benutzt werden, Redaktionshinweis), stellen wir sie lieber chemisch her. Dadurch schonen wir gleichzeitig die Natur, weil konkret die Nutzung vom Docetaxel dazu führte, dass in den USA die Rote Eibe fast ausgelöscht wurde. Die klassische Medizin und die Naturmedikamente würde ich also sicher nicht als zwei kontroverse Welten stellen, die Natur ist ein großes Chemielabor.

Unterscheidet sich so irgendwie der neue natürliche Wirkstoff von dem chemisch synthetisierten?

Der Unterschied besteht darin, dass die chemisch hergestellten Medikamente eine ganz genau definierbare Menge der Wirkstoffe beinhalten, während in den Pflanzen auch diese definierbaren Wirkstoffe im Kontext der komplexen Mischung der natürlichen Substanzen sind. Auf der anderen Seite bekommt man den Eindruck, dass gerade darin der Vorteil einiger Naturmedikamente besteht. Die Wirkung vieler von ihnen sichert gerade die Zusammenarbeit vieler anderer Stoffe, im Vergleich dazu, wenn wir aus ihnen nur eine konkrete Chemikalie isolieren. Aber bei den meisten Naturprodukten ist das wesentliche Problem in der Dosierung. Wenn Sie einen Tee aus dem Huflattich kochen, werden in ihm tatsächlich nur minimale Mengen der Wirkstoffe. Das gilt auch für die Naturprodukte in Form der Ernährungsergänzungen. Der Wirkstoffinhalt ist im Allgemeinen sehr niedrig und der Mensch müsste eine ganze Schachtel auf einmal aufessen, damit er in sich eine „pharmakologische“ Dosis des konkreten Wirkstoffes bekommt.

Also zu den Ernährungsergänzungen stehen Sie eher skeptisch?

Wenn in ihnen wirklich „etwas ist“, glaube ich an ihre Wirkung. Es ist nur fraglich, ob die, die auf dem Markt sind, wirklich das sind, als was sie sich darstellen. Im Jahr 2015 hat in den USA eine Studie stattgefunden, die gezeigt hat, dass fast 80% der Ernährungsergänzungen auf dem Markt diese Stoffe nicht beinhalten, die an der Verpackung angegeben sind. Das ist auch einer der Gründe, warum ich angefangen habe, die Ingwerkapsel zu entwickeln.

An die Wirkungen welcher konkreten Ernährungsergänzungen auf der Basis der Naturstoffe glauben Sie persönlich?

Es gibt eine ganze Reihe. Beispielweise Ginkgo Biloba, das für die Verbesserung der Durchblutung genutzt wird, weiter Präparate auf der Basis von Rutin aus Kastanien, das einen positiven Einfluss auf die Verstärkung der Blutgefäße hat. Früher ging es um ein registriertes Medikament, das aber vor Jahren genauso wie z. B. das Vitamin D in die Form der Ernährungsergänzung übergegangen ist. Die pharmazeutischen Firmen haben nämlich festgestellt, dass wenn einige Stoffe bei der gewöhnlichen Verwendung gefährlich sind, ist es einfacher sie unter den Ernährungsergänzungen als unter Medikamenten zu registrieren, weil auch die Wartung von der Registrierung der Medikamente viel Geld kostet.

Benutzen Sie selber einige Ergänzungen?

Ja, wenn ich die Informationen habe, dass sie aus der qualitativen Quelle sind. Momentan nehme ich so mehr als ein Jahr lang die Ingwerkapseln Eligin, zu deren Entwicklung ich beigetragen habe. Und ich muss sagen, dass ich mich sehr wohl fühle. Praktisch bekomme ich keine Infektionen und keine Gelenkschmerzen. Und hauptsächlich weiß ich, was in ihnen ist.

Und was ihre Patienten? Würde sich nicht lohnen, die Wirkung direkt an ihnen zu testen?

Ich habe es vor, aber eher nur so für mich, nicht im Rahmen irgendeiner seriösen Forschung. Nach und nach sammele ich diese Informationen und ich habe bereits ein Paar Rückmeldungen von den ersten Patienten, denen ich letztes Jahr im Herbst die ersten Testproben geschenkt habe. Es hat sich um Patienten gehandelt, bei denen wir mit den zugänglichen Mitteln die Immunitätsstörung, die man auf die „klassische“ Art heilen kann, ausgeschlossen haben, trotzdem haben sie sich über häufige Infektionen oder leichte Formen der Allergien beschwert. Die Mehrheit meldet, dass sie während der Einnahme der Ingwerkapseln praktisch nicht krank geworden sind. Aber vergessen wir nicht, dass auch ein sogenannter Placeboeffekt existiert. Wenn Sie keine klassische kontrollierte klinische Studie haben, kann man keine Schlüsse ziehen.

Wie kommt die Ärztin, die sich bedeutend an der Entstehung einer sehr anspruchsvollen und hoffnungsvollen neuen Methode des Kampfes gegen Krebs teilnimmt, zu der Entwicklung einer Ernährungsergänzung auf der Ingwerbasis?

Neben der wissenschaftlichen Arbeit, die die Forschung der Anti-Tumor-Immunität beinhaltet, bin ich eine praktische klinische Immunologin und Allergologin. Ich habe in meiner Ambulanz eine Reihe der Patienten, die wiederholt auf Infektionen leiden, und dabei finden wir bei ihnen keine schwerwiegendere Immunitätsstörung, die man mit einer „modernen“ Medizin heilen könnte. Und sie fragen uns dann, was sie also nutzen sollten. Gerade wegen den Zweifeln über die Qualität der verschiedenen Ernährungsergänzungen habe ich mir gesagt, dass es nicht schlecht wäre mindestens eine zu haben, für die wir garantieren können. Die Heilwirkungen der Pflanzen studiere ich langzeitig und der Ingwer fand ich in diesem Konzept am interessantesten. Es ist mein solches „Spielzeug“, das einfach aus der tagtäglichen Praxis herausgekommen ist. Aber auch die Reaktion darauf, wie ich im Rahmen der Entwicklung unserer Anti-Tumor-Impfstoffe festgestellt habe, wie die Entwicklung der Medikamente kompliziert, teuer und langwierig ist.

Damit haben Sie, würde ich sagen, reichliche Erfahrungen im Rahmen des Projektes von Anti-Tumor-Impfstoffen auf der Basis der dendritischen Zellen (Teil der weißen Blutkörperchen, Redaktionshinweis), das sie seit 1996 führen.

Wir haben in der Zeit angefangen, als diese Methode als medizinisches Verfahren betrachtet worden ist. Also hätte es ähnlich wie zum Beispiel die Organ- oder Knochenmarktransplantation in die ärztliche Praxis ohne weitere Hindernisse eingeführt werden können. Aber im Jahr 2002 hat sich die europäische Legislative geändert und unsere Anti-Tumor-Impfstoffe aus den dendritischen Zellen sind in die Kategorie der medizinischen Präparate gekommen und die Entwicklung hat angefangen unter das Arztneimittelgesetz zu fallen. In der Praxis bedeutet es die Herstellung in den supersauberen Räumlichkeiten nach den Bestimmungen der richtigen Herstellungspraxis, die klinische Entwicklung von der Phase I bis zur Bestätigungsphase III nach den Vorschriften GCP (goodclinicalpractice, also Standarten für die richtige klinische Praxis, Redaktionshinweis) und erst dann die Registrierung, Vergütung und Heilung der Patienten. Das ist die Entwicklung, die Hunderte Millionen Tschechischer Kronen kostet. Zu dieser Zeit waren wir jedoch mit der Methodik ziemlich weit, also wollten wir es nicht ganz aufgeben. Wir haben uns der Legislative unterworfen und haben mit Hilfe des Universitätsklinikums Motol die supersauberen Räumlichkeiten aufgebaut, wir haben die meterlange Papierdokumentation bearbeitet, auf derer Grund uns das Staatliche Institut für Arzneimittelkontrolle die Studie der Phase I genehmigt hat, wir haben die Finanzmittel mithilfe der Grant-Gelder zusammengetrieben, das alles deswegen, damit wir die Impfstoffe bei den Patienten legal anwenden können. Und diese unsere Zielstrebigkeit hat letztendlich auch Investoren, die die weitere Entwicklung dieser Impfstoffe übernommen haben, beeindruckt. Aber das ist schon ein anderes Kapitel.

Das allerdings noch nicht abgeschlossen ist, weil die klinischen Studien noch nicht am Ende sind. Sind für Sie diese Ingwerkapseln eine Art flüchtige Abschweifung zu irgendetwas, was ein augenblickliches Ergebnis bringt?

Sie haben absolut Recht. Der nächste Grund, warum ich mich zu den Ernährungsergänzungen zurückgewandt habe, waren die Kostspieligkeit und Langwierigkeit der Entwicklung der medizinischen Präparate. Auch habe ich angefangen, die Entwicklung der Medikamente aus dem ökonomischen Blick zu betrachten: die pharmazeutische Firma, die ein Medikament nach den gegenwärtigen legislativen Bestimmungen entwickelt, will selbstverständlich den finanziellen Rückfluss der furchtbaren Anfangsinvestition. Sie muss also ein Medikament, das einen Patentschutz hat, entwickeln, damit es eine bestimmte Exklusivität und einen finanziellen Rückfluss sichert. Aber ein Medikament auf der Basis der ganzen Pflanzen zu entwickeln, also so, dass es die Komplexität aller Wirkstoffe beinhaltet? Das kann man nicht patentieren lassen, und deswegen lohnt es sich niemandem, auch wenn es über alles effektiv wäre. Und darum sagte ich mir, dass ich eine Pflanze, die ein Sicherheitszeichen GRAS, das bedeutet „gefahrlos“, und dabei irgendwelchen Einfluss auf die Immunität hat, finde. Aus den möglichen Kandidaten habe ich den Ingwer am besten empfunden.

Ist die Entwicklung der Ingwerkapseln nicht nur "verlorene Zeit"? Es gibt doch sicherlich mehrere ähnliche Präparate auf dem Markt.

Bei der Entwicklung haben wir recherchiert, was auf dem Markt zur Verfügung steht. Und überraschenderweise war wenigstens auf dem tschechischen Markt praktisch nichts. Auf Alibaba oder Amazon (weltweite Internetgeschäfte, Redaktionshinweis) können Sie einige Ingwerpräparate kaufen. Aber über die Qualität wissen wir nichts. Über unser Präparat schon. Wir wissen,  was es beinhaltet und wie viel davon. Es bedeutet nicht, dass die anderen Ernährungsergänzungen nicht qualitativ sind. Ich weiß nur nicht, welche. Wenn Sie nämlich die Wirkungen der verschiedenen Präparate vergleichen möchten, bedeutet es so wieder eine passende Indikation zu finden, passende Dosis zu bestimmen, Hunderte Patienten anzusprechen, die man beobachten müsste, und letztendlich alles auszuwerten. Und Hunderte Millionen sind futsch. Warum würde das jemand tun?

Mit der Entwicklung der Ingwerkapseln haben Ihnen die Kollegen aus dem Forschungsinstitut für Lebensmittel geholfen. Ihre Zusammenarbeit hat aber angeblich viel früher angefangen...

Das stimmt. Sie haben zur Verbesserung der Impfstoffe beigetragen. Sie inspirierten uns für die neue Methode des Abtötens von Tumor-Zellen, mit denen wir die dendritischen Zellen „füttern“, und das mit einem hohen hydrostatistischen Druck, der für die Sterilisierung der Gemüse und Säfte benutzt wird. Wir haben auch anstelle des Drucks die UV-Strahlung, die wir für die Abtötung der Tumor-Zellen bisher benutzt haben, probiert und es hat sich gezeigt, dass diese neue Methode geeigneter ist. Die Tumor-Zellen sterben nämlich durch einen sogenannten immunogenen Zellentod ab, das bedeutet, dass sie sich dem Immunsystem deutlich sichtbarer machen und er sie dann besser erkennen und bekämpfen kann. Mit den „Lebensmittelexperten“ sind wir also in einer langen Verbindung. Ich wusste, dass sie die Hopfenpräparate entwickelt haben, Lignane aus der Fichte, also sind wir einmal im Gespräch auch auf den Ingwer gekommen. Und wir haben vereinbart, dass wir ihn gemeinsam untersuchen. Zuerst haben wir Babynahrungen probiert, die jedoch außer uns keinem geschmeckt haben und dazu noch zu teuer waren. Zusammen mit Ing. Vokurka aus einer kommerziellen Firma haben wir uns auf den getrockneten Ingwer konzentriert, den man in die  Kapseln „verstecken“ könnte. Wir organisierten den Import verschiedener Muster und die Mitarbeiter von der Akademie der Wissenschaften in Budweis haben uns mit den Wirkstoffbestimmungen geholfen. Sie haben eine ganze Analysenreihe der Ingwerwurzelstöcke aus Asien und Afrika durchgeführt. Ing. Vokurka hat dann das ganze Projekt in die Form der Ernährungsergänzung gebracht und ihn auf den Markt eingeführt.

Trotzdem denke ich mir: Warum gerade Ingwer? Ich habe nichts gegen ihn, ich mag ihn selber gerne, aber es gäbe so viele Adepten. Man spricht über den Heilungseffekt des Sanddorns und Ginsengs, der Sonnenhut war auch zu seiner Zeit sehr populär, und man könnte weiter aufzählen. Warum also ausgerechnet der Ingwer?

Sie haben Recht, es gibt mehrere Kandidaten. Der Mensch kann jedoch nicht alles machen. Der Ingwer ist eine Pflanze, die seit mehr als 2000 Jahren in der östlichen Medizin genutzt worden ist, also haben sich die Wissenschaftler gesagt, dass was dran sein wird.  Dank dessen gibt es von ihm und seiner Wirkstoffe wahrscheinlich die meisten wissenschaftlichen Publikationen. Aus diesem Grund habe ich mich auch für ihn entschieden. Und auch deswegen, weil er mir schmeckt, genauso wie Ihnen und vielen anderen Leuten.

Ja, genau, der Ingwer schmeckt vielen Leuten. Aber wenn Sie ihn in der Form einer Kapsel runterschlucken, verlieren Sie den Geschmackgenuss. Oder täusche ich mich?

Das stimmt, dass das Ingwerpulver in einer speziellen Kapsel verpackt ist. Dank dessen löst er sich erst im Darm und gleichzeitig kann man die brennende Wirkung in der Speiseröhre oder im Magen verhindern, die nicht jedem gut tut. Wer jedoch diesen typischen brennenden Ingwergeschmack mag, kann den Inhalt der Kapsel ausschütteln und den Extrakt selbst benutzen, z. B. im Cocktail. Und Sie müssen nichts schälen, reiben, ziehen lassen… Das hat mich beim Ingwer immer abgehalten und genervt.

Die Wirkstoffe, die im Fall des Ingwers am wertgeschätzten sind, sind 6-Gingerol und 6-Shogaol. Was sind sie eigentlich?

Es handelt sich um die Polyphenole, die Stoffe, die für den brennenden Ingwergeschmack verantwortlich sind. Allgemein wird erzählt, dass gerade diese brennenden Stoffe, also zum Beispiel auch im Pfeffer oder in Paprika, eine positive Wirkung auf das Gesundheit besitzen sollten.

Wie konkret funktionieren diese Stoffe? Man spricht von einem positiven Effekt auf die Immunität. Unter diesem kann man sich bessere Abwehrkräfte gegen die üblichen Krankheiten, wie eine Erkältung, ein Schnupfen oder eine Virose vorstellen. Was kann es sonst?

Die Gingerole und Shogaole beeinflussen in einer Zelle eine ganze Reihe der metabolischen Vorgänge. Aus den experimentalen Beweisen wissen wir, dass sie ähnlich funktionieren wie beispielweise die nichtsteroidalen Antirheumatika, also z. B. Brufen, aber auch wie Kinase-Inhibitoren, die für die biologische Heilung einiger Tumoren benutzt werden. Oder wie die Rezeptorinhibitoren, die das Erbrechen hervorrufen. Darum werden sie bei den Kinetosen (Übelkeit beim Reisen z. B. mit dem Auto, Redaktionshinweis) sowie auch bei Seekrankheit genutzt, aber auch für die Besserung der Übelkeit und des Erbrechens bei der Chemotherapie der Tumorkrankheiten – sie werden auch in den berühmten amerikanischen Krankenhäusern empfohlen. Eine Studie bei den Menschen hat einen positiven Einfluss auf die Minderung der Allergieanzeichen beim Heuschnupfen, vergleichbar mit der Nutzung der üblichen Antihistaminika, gezeigt. Also ist der Mechanismus der Ingwerwirkstoffe komplex und er hängt von dem Versuchsaufbau, der Dosis und vielen weiteren Faktoren ab. Wahrscheinlich die wichtigsten Effekte sind die entzündungshemmenden und antioxidativen Wirkungen, durch die sich der Ingwer an dem Anti-Tumor-Mechanismus beteiligt, weil eine chronische Entzündung zu einer Entwicklung der Tumorkrankheiten beitragen kann.

Also kann die langfristige Konsumierung auch den Anti-Tumor-Effekt haben?

Theoretisch ja, praktisch kann man es schlecht prüfen, also bleibt diese Wirkung für die Leute spekulativ, weil keine solchen Studien durchgeführt worden sind. Im Gegenteil an den Tieren gibt es eine Menge, beispielweise eine Studie beim Mausmodel des Prostatakrebs hat bewiesen, dass die Hauptkomponente des Ingwers – Gingerol und Shogaol, die einzeln getestet worden sind – einen bestimmten Effekt für die Verlangsamung des Tumorwachstums haben. Ihre Wirkung ist aber deutlich kleiner als beim Extrakt aus dem ganzen Ingwer, der Hunderte chemischer Verbindungen beinhaltet. Es ist einer der Beweise, dass die isolierten Produkte nicht so wirkungsvoll sein müssen wie der ganze Pflanzenkomplex. Welche Dosis kann aber diesen Effekt bei Menschen hervorrufen, ist aufgrund des Mangels an Klinischen Studien ganz offenbar. Weiter wird angegeben, dass die Antientzündungswirkungen des Ingwers zu einer Verlangsamung der Arthrose, aber auch Atherosklerose, Alzheimer-Krankheit, des Diabetes Typ 2 und so weiter beitragen sollten. Es ist wichtig hier den Konjunktiv „sollten“ zu verwenden, also rechnen wir damit nur theoretisch. Es existieren Tierstudien, aber es gibt sehr wenige klinischen Studien bei Menschen. Weil sie niemand bezahlt. 

Können Sie nach dem, was sie über den Ingwer wissen, sagen, ob seine Wirkungen eher präventiv oder heilend sind?

Es scheint, dass bei diesen komplexen Rohstoffen der pflanzlichen Herkunft die präventive Wirkung die wichtigste ist.  Aber noch einmal – es gibt keine Studien dazu. Stellen Sie sich vor, sie möchten beweisen, dass Sie durch die Nutzung des Ingwers die Alzheimer-Krankheit vorbeugen. Dafür bräuchten Sie Tausende Personen, Jahrzehnte Jahren und Milliarden der Tschechischen Kronen. Glauben Sie, dass solche Studie irgendwann realisierbar wäre?

Ich vermute, dass nicht. Warum aber eigentlich die Ingwerkapseln, wenn ich mir einen frischen Ingwer kaufen kann?

Und das ist es eben: wir haben eine ganze Reihe der Ingwersorten aus verschiedenen Supermarkets und auch anderen Quellen aus der ganzen Welt getestet. Und die Wirkstoffinhalte ändern sich mit der Art, Erntezeit, Lagerung und den weiteren Faktoren. Der Tee, den sie im Juni aus dem Ingwer aus einem Geschäft kochen, wird einen ganz anderen Inhalt der Wirkstoffe haben als der, den Sie im Winter in dem gleichen oder einem anderen Geschäft kaufen. Weil wir den Inhalt der Wirkstoffe unter Kontrolle haben wollten, haben wir uns für unsere Kapseln eine Sorte, die den höchsten Inhalt vom Shogaol und Gingerol hatte, ausgesucht.

Woher kommt "eurer" Ingwer?

Von dem Lieferer aus Indonesien, der ihn in der BIO-Qualität und unter den Bedingungen der ökologischen Landwirtschaft anbaut.

Also hat die Öko- und Bioqualität eventuell den Einfluss auch an die Mengen der Wirkstoffe?

Diese Sorte kam uns im Inhalt der Gingerole und Shogaole wirklich am geeignetsten heraus, aber weder die Öko- noch die Bioqualität hat nicht direkt den Einfluss auf die Wirkstoffe. Es ging uns eher um den Inhalt der Chemikalien, die die Umwelt verschmutzen. Wir wollten ein sauberes Produkt, das keine Pestiziden und Herbiziden oder schwere Metalle, die wir dann mit dem Ernährungsergänzung runterschlucken würden, beinhaltet.

Ich habe gelesen, dass auch der Inhalt der Wirkstoffe im Wurzelstock selbst nicht ausreichen sollte und dass es nötig wäre, den Ingwer auf geeignete Art zu verarbeiten. Wie?

Im Prinzip geht es darum, dass sich, wenn Sie die Pflanzen einem bestimmten Stressanreger aussetzen, der Inhalt der Wirkstoffe ändert. Es kann eine ganze Reihe solcher Anreger geben, aber ich habe es auf das eingeengt, dass man den Ingwer einfach erwärmen muss, damit in ihm der Inhalt vor allem an Shogaole wächst. Darum hat es keinen Sinn, den Ingwer nur so gerieben „frisch“ zu essen, aber es ist notwendig ihn mindestens mit einem heißen Wasser zu übergießen. In diesem Fall ist also der Stressanreger die Erwärmung, ein anderes Mal kann es die Zugabe der oxidativen Reagene oder Ähnliches sein.

Ist es möglich es mit dem Ingwer umgangssprachlich gesagt zu übertreiben? Ich habe im Internet gelesen, dass wir in der trockenen Form täglich nicht ein Gramm überschreiten sollten und dass wir uns von einem frischen Ingwer höchstens vier Gramm gönnen könnten...

Das hatte einmal jemand im Internet geschrieben und seitdem wird es immer wieder erwähnt, aber zu dieser These habe ich nirgendwo eine vertrauliche Quelle gefunden. Eine individuelle Verträglichkeit ist verschieden, jemand mag einfach nicht diesen brennenden Geschmack, und falls jemand keine Paprika mag, wird er ziemlich wahrscheinlich auch keinen Ingwer mögen. Wenn wir aber über die Benutzersicherheit sprechen, so haben die klinischen Studien bei den Menschen bewiesen, dass der Ingwer und seine Wirkstoffe im Körper nicht kumulieren. Das bedeutet, dass die langfristige Dosis nicht schädlich ist. Ich kann weitere Wissenschaftsarbeiten zitieren: Die tägliche Dosis von 2 g des trockenen Ingwerextrakts in der Dauer von 28 Tagen hat bei den gesunden Freiwilligen keine Nebenwirkungen erwiesen, genauso wie die Dosis von 40 g des gekochten kandierten Ingwers in der Dauer von 2 Wochen hatte keine Nebenwirkungen und hat nicht die Funktion der Blutplättchen beeinflusst. Bei den Ratten hatte die 13-tägige Einreichung von 500 mg/kg des Ingweröls keinen toxischen Effekt. Ähnlich ohne toxischen Effekt war die Einreichung des Alkoholextrakts vom Ingwer in der Dauer von 30 Tagen täglich oder am jeden zweiten Tag bis zur Dosis 5 000 mg/kg. Das ist nur ein Bruchteil der Studien, an deren Grund die amerikanische FDA (Food and Drug Administration, deutsch Behörde für Lebens- und Arzneimittel, Redaktionshinweis) den Ingwer als ungefährlich betrachtet.

Wenn wir bei den Desinformationen im Internet sind, was stimmt daran, dass die Diabetiker den Konsum vermeiden sollten?

Nichts.  Im Gegenteil existieren Studien, die zeigen, dass die Nutzung verschiedener Ernährungsergänzungen bei den Diabetikern des 2. Typs (also bei den Patienten, die meistens kein Insulin brauchen) das Metabolismus und auch die Blutgefäßschäden, die mit dieser Krankheit oft verbunden sind, verbessert. Der Ingwer regelt nämlich den Zuckerspiegel und die Fettanteile im Blut, das führt zu einem Blutgefäßschutz vor den langfristigen Folgen dieser Art von Diabetes.

Haben Sie nicht vor, sich neben den Ingwerkapseln ein weiteres „Spielzeug“ auf der Basis einer anderen Pflanze oder Kräuter anzuschaffen?

Noch nicht. Ich schreibe ein Lehrbuch der Immunologie für die praktischen Ärzte und mit meinen Mitarbeitern versuchen wir, die nächste Form der Immuntherapie zu entwickeln. Und außerdem genieße ich nun die Zeit mit meinen Enkelkindern.

 

Autorin: Silvie Králová

Das Interview wurde in der Zeitschrift TÉMA Nr. 36/2018 veröffentlicht.